Problemorientiertes Lernen

Problemorientiertes Lernen (POL) ist nach der Definition von H. S. Barrows, einem der Pioniere der Methode, "eine Lernmethode, bei der ein Problem/Fall (d.h. eine berufliche Alltags- bzw. Handlungssituation, ein Phänomen, eine für die Berufsausübung bedeutsame Aufgabe oder Fragestellung) als Ausgangspunkt für die Aneignung und Integration von neuem Wissen benutzt wird".

Die Lösung des Problems/Falls erfolgt in acht Schritten:

  1. Lesen und verstehen, Begriffe klären
  2. Fakten aus dem Fall
    1. auflisten und clustern
    2. nach Prioritäten ordnen
  3. Ideen spinnen im Fallbezug
  4. Ideen clustern, ordnen und auf der Basis des vorhandenen Wissens prüfen
  5. Lernaufgaben in einer eindeutigen Frage formulieren
  6. Eigenstudium außerhalb der Gruppe
  7. Auswertung der Ergebnisse anhand des Falls
  8. Feedback


Die Fälle basieren auf realen Patientengeschichten und beruflichen Situationen. Sie sind durch verschiedene Informationsstufen gekennzeichnet. Die Lernenden kommen mit wenig Vorwissen in Kleingruppen (Tutorium) zusammen, um den Fall zu bearbeiten. Der Arbeitsprozess wird anhand der o. g. Schritte durch die Teilnehmer selbst organisiert und reflektiert.

Die Auszubildenden führen ein Lerntagebuch, in dem alle Unterlagen zu den POL-Fällen, wie Lernaufgaben, Arbeitsergebnisse, Praxisaufgaben etc. abgelegt sind. Die Tutoren (Dozenten) sind nicht Fachexperten, die Wissen vermitteln, sondern sie moderieren den Prozess und werden somit zu Lernbegleitern. Nebenamtliche Dozenten halten Vorträge oder fungieren bei Bedarf als Experten, die in Sprechstunden gezielte Fragen zum Fall beantworten.

Fachpraktische Fähigkeiten im Zusammenhang mit dem Fall werden in Übungsstunden (Skills-Lab) trainiert bzw. demonstriert. In Unterrichtsstunden (Attitude-Awarness-Training) werden Gefühle, Vorurteile, Einstellungen, Werte, die Pflegehandeln im Fall begleiten sowie ethische Konflikte reflektiert.


Die Vorteile von POL sind u. a.:

  • Erlernen des Lernens
  • Erlernen von Wissen, das behalten wird und zu anwendungsbereiter beruflicher Kompetenz führt
  • Entdecken, was man nicht weiß
  • Erlernen von Teamfähigkeit


POL wurde seit 1969 in Kanada an Hochschulen eingeführt. Seit 1974 arbeitet man mit dem Konzept an den Hochschulen und in der Pflegeausbildung der Niederlande. 1990/91 wurde POL an der Universität Witten/Herdecke im Medizinstudiengang implementiert. 2004 folgte der Medizinstudiengang an der UNI Bochum. An unserer Schule haben wir 2004 mit der Einführung von POL in die Gesundheits- und Kranken- bzw. Kinderkrankenpflegeausbildung begonnen.

"Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Wir können nur Grundsätze vermitteln, die Schüler auf den richtigen Weg bringen, sie lehren, wie man lernt und Wesentliches von Unwesentlichem unterscheidet." (Sir William Osler, 1849-1919)

„Wissen, das Antworten auf Fragen gibt, die keiner gestellt hat, wird schnell wieder vergessen." (H. S. Barrows, 1980)